Warning: Trying to access array offset on value of type bool in /homepages/12/d860181651/htdocs/WVZ-2022-0804/wp-content/themes/debleu-2022/template-parts/slider.php on line 281

Chromatische Flächen

meine arbeit ist durch die dämmerungen bestimmt. in meinen augen wird es nie ganz hell oder ganz dunkel. immer herrscht der übergang, das dazwischen, der verlauf der zeit.“

Raimer Jochims, 1.11.2020
 
Bei den Verlaufsbildern, die sich gleichzeitig mit den Schwarzen Bildern seit 1961 entwickeln, handelt es sich technisch beschrieben um ein an- und abschwellendes Farbkontinuum, das durch verschiedene Schemata organisiert werden kann. Bis zu dreißig Schichten lasierter, mit dem Vertreiberpinsel aufgetragener Farbe werden übereinandergelegt, um auch die geringste Störung der gleichmäßigen Farbausbreitung zu unterbinden. Das Lasieren gibt der Farbe zusätzlich Transparenz und Atem, es lässt übermalte Farbewerte durchscheinen und hält sie untergründig wirksam. Um diese Bilder zu sehen, genügt ein bloßes konstatierendes Umherschauen. Der Betrachter muss vielmehr seinen Blick ruhigstellen und auf das Zentrum des Bildes konzentrieren.

Das fast starre Auge macht dann jene Erfahrung, in der sich diese Malerei allererst erschließt: das heißt in Wirkung umsetzt. Die gleichmäßige Ebene des Bildes und der an- und abschwellende Farbverlauf können nicht in einem Wahrnehmungsergebnis zusammengefasst werden. Ihr gegenseitiger Kontrast erzeugt vielmehr jenes Pulsieren der Farbfläche, bei dem sie sich konkav-konvex aus- und einzubuchten scheint. Die Faszination dieser Erfahrung besteht darin, dass das scheinbar ausdruckloseste, leerste, nämlich das farbige Kontinuum, im Auge des Betrachters sich plötzlich zu bewegen beginnt als sei es ein Lebewesen. Das körperliche Auge setzt sich ineins mit dem Pulsschlag der Farbe. … Eher werden wir vom Bild bestimmt als dass wir das Bild dem Willen unserers Blickes zu unterwerfen vermöchten. In diesem Sine handelt es sich um ein freies Sehen, das der Betrachter an Jochims Bildern vollzieht., frei von allen begrifflichen, sprachlichen oder sonstigen Identifikationen, frei von der Sucht, im Bild etwas wiederzuerkennen, was wir schon vorher gekannt haben.

Gottfried Boehm, Kunsthistoriker, Basel

646 Werke in dieser Werkgruppe

Dekaden

Werke 1970 - 1979

180 Werke in dieser Dekade